Do the Hop! Swing und neue Zeiten

Walter Matthias Kunze's picture

Ich bin mit Musik aufgewachsen. Meine Eltern haben schon früher beide musiziert und gesungen, meine Schwester lernte Klavier zu spielen, ich die Geige, und später am Rechner mit Reason. Musik bestimmt mein Leben und spielt für mich eine schöne und wichtige Rolle. Das Schöne ist: Musik ist Gefühl und Stimmung, darum begleitet sie die Zeiten und ihre Trends mit eigenen Stilen.

Jede Zeit hat ihre eigene Musik. Die 80er ihren eigenen Pop- und Wave-Stil, die Neue Deutsche Welle stark dabei, die 90er brachten Grunge, Techno, Hip Hop und die Hamburger Schule, die 2000er Garage Punk, Electroclash, and so on … und nun haben wir die 2010er und Youtube hat definitiv MTV & Co abgelöst, Soundcloud & Co ersetzen MySpace (MySpace? wer kennt das noch? …).

Damit wird auch das Bild von Band oder Musikern überholt, die - bis auf mehr oder weniger regionaler Konzerte - einzig und allein von einem Plattenlabel als Basis für nationalen und internationalen Erfolg oder Vertrieb abhängig sind. Die 2010er Musiker gehen direkt auf die Bühne - via Social Media und finden Unterstützung und Vertriebsplattformen über das Netz: Crowdbased Publishing und Musik verbinden sich.

Viele neue Stile kommen auf, einige gleichzeitig – einerseits toll! Andererseits entsteht das Risiko, dass mehr Einheits-Musik gemacht wird, damit sie möglichst vielen Leuten gefällt.
 

Finden in der Übergangszeit...

Eine spannende Zeit, in der wir leben... Auch eine Zeit, die sich in manchen Dingen erst noch zu finden scheint. Und was machen wir in dieser Übergangszeit? Wir schauen in die Vergangenheit! Zurück zur Neuen Klassik! Als es noch fast einen Kaiser gab, die Parteienlandschaft übersichtlicher schien, Alkohol noch Absinth hieß und die Weltwirtschaft boomte ... in etwa so - oder?

Wir hören und komponieren, spielen und feiern mit Musik, die aus der Vergangenheit kommt, aus einer vergangenen Epoche ... Was letztes Jahr zunehmend aus der eigenen Szene in die Öffentlichkeit trat, scheint sich dies Jahr 2013 weiter zu etablieren:
 

Swing!

Wie kann das sein? Warum ausgerechnet Swing? Eine Musik aus einer Zeit, die doch wesentlich konservativer war als unsere Zeit heute. Allein das Rollenverständnis in Beruf und Öffentlichkeit, wie auch das Politikverständnis würden von uns heute als ziemlich konservativ empfunden werden.

Einer der Gründe: Die Boomzeit des Swing war zu einer Zeit, die in mehreren Bereichen einen Aufschwung erlebte. Und viele Dinge neu definiert wurden.

Die Goldenen Zwanziger Jahre.

Die Weltwirtschaft lief, es ging mit der Konjunktur aufwärts, aus „den Kolonien“ kamen Rohstoffe und exotische kulturelle Einflüsse (Menschenrechte waren damals eher nebensächlicher, wenn es ums kolonisierte Ausland ging), und die 1920er brachten auch eine Blütezeit der Kunst, Kultur und Wissenschaft hervor. Dennoch war es ein Tanz auf dem Vulkan, denn alte Staats- und Herrschaftsstrukturen wie auch starre Wirtschaftsmodelle standen vor ihrer Ablösung. Befördert wurde dies durch einige starke technologische Innovationsschübe – unter den wichtigsten das Telefon, das Auto und damit der Ausbau von Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur. Durch die damaligen „Neuen Medien“ und High-Technologies öffnete sich einige Grenzen…

Das brachte viel neue Einflüsse - Swing war die Musik dazu!

Aber die Euphorie hielt nur kurz. Denn dann kam im Jahr 1929 die Weltwirtschaftskrise und aus war’s mit den „Goldenen Zwanzigern”. Plötzlich war Extrovertiertheit nicht mehr angesagt, es musste gespart und geteilt werden. So entstanden zum Beispiel Big Bands aus der Not heraus, dass viele Musiker arbeitslos wurden und sich zu größeren Ensembles zusammenschlossen – heute würden wir sagen: „Co-playing Bands“.

Und heute tanzen wir wieder Swing und gehen auf 20er-Jahre Parties wie "Bohème Sauvage" oder "Golden Maritim". Und finden das alles ganz romantisch! Leben wir denn in denselben Zeiten wie damals?

Nein, Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie entwickelt sich in Wellen, und da gibt es dann Zitate – weil wir manches vielleicht ähnlich empfinden. Viele Veränderungen in der weltweiten Entwicklung, Politik und Wirtschaft verändern sich, die wiederum „Neuen Medien“ und das Internet haben manche Strukturen rasant durcheinander geworfen – und viele Menschen haben den Eindruck, sie wissen nicht, in welche Richtung sich so Manches entwickelt. China wird zur Weltfabrik, hier ändern sich Berufsbilder, die Währung wird immer weniger bewährt, wir stellen Fragen und finden neue Antworten.

Daher schließen wir uns zusammen, Gemeinschaft zählt, und das nicht nur im Job (Coworking), Finanzmodellen (Crowdfunding), Politik (Abgeordnetenwatch, Liquid Feedback, neue Parteien…) oder Sport sondern auch in der Art, wie wir feiern.

Der Vorteil beim Swing und den zeitlich und stilistisch verwandten Tänzen, sei es Balboa, Foxtrott, oder wie sie ale heißen mögen: Du tanzt weniger allein sondern zu zweit oder in der Gruppe. Paar-Tänze oder Gruppen-Tänze sind angesagt! Mit deinem eigenen Tanzpartner oder du bittest die schöne Unbekannte oder den geheminisvollen Herrn zum Tanz...

Das neue Wir-Gefühl, das sich so allmählich in den Lebensstil integriert hat, verbindet, schafft und nutzt Gemeinschaft in Zeiten wie diesen.

Swing ist das Sinnbild dafür, könnte man sagen.

Die große Musik-Frage: Bleibt es bei Swing und Stilzitaten? Oder wie wirkt sich diese Musik der Übergangszeiten aus auf die neuen Musikstile, die da kommen? Elektroswing ist ja nur ein Anfang...

Swing Baby, do the hop! ... vielleicht tanzen wir in 5 Jahren stattdessen Walzer und Electrowaltz?

 


PS: Am 22.2. feiern wir die trendnight*13 und es wird am weiteren Abend auch Swing getanzt! Mit Swing-Crashkurs, musikalisch wird's dann aber auch elektronisch-swingig moderner - Kommt und seid dabei!

PPS: Wir starten den Abend mit Themenintro zur Neuen Klassik und Diskussion zum neuen Verständnis von Arbeit und Leben (permanent beta...) und Rollenbildern bei Frauen und Männern in diesem Umfeld. Mit Agnieszka Krzeminska/DMWHH, Thore Jung/Freunde des Hauses, DJs Sebteque und N.Anonym, und vieles mehr!

Die trendnight*13 findet sich damit auch in den Rahmen der International Social Media Week Hamburg!

... Noch etwas: Geht doch mal zur Swing-Party.
Musik: Swing, Elektroswing, Rockabilly, ... der Tanzstil geht sogar zu Hip Hop sehr gut!
Hier ein paar Termine und Links:

Salon Commode - Hamburg

Universo Swing Ball - Hamburg

Swing Fever im Mandalay - Hamburg

SwingStep Hanse Parties - Hamburg

Bohème Sauvage - bundesweit

Flüsterparty - München

Hansehop - Hamburg

... und die New Swing Generation e.V. ist so eine Art Orgateam für so manches in Richtung Swing hier in Hamburg. Da gibts auch einen Kurskalender und vieles mehr

 

.

Share this